Liebe Heuwusler-Freunde,

schon wieder müssen wir traurige
Nachrichten in den News-Blockstellen stellen.

Ende Juli erreichte uns ein Hilferuf
einer jungen Frau, die gerade eine Ausbildung zur Zoofachangestellten
macht, dass sie ein Kaninchen vor dem sicheren Tod durch die Schlange
bewahrt hat. Das Tier sei nicht ganz in Ordnung sagte man, hatte
Probleme beim Laufen, das kann man nicht mehr verkaufen, dann könnte
man es doch besser gleich verfüttern. Die junge Frau hatte Mitleid
mit dem armen Kaninchen und hat es mit nach
Hause genommen und gepflegt und
umsorgt. Sie taufte den kleinen Kerl Bambam. Leider wurde die
Behinderung immer schlimmer und Bambam konnte schließlich nur noch
robben. Den linken Hinterlauf hielt Bambam steif wie einen Stecken
unter den Bauch hinweg gestreckt und dies hinderte ihn am laufen. Er
lag also nur noch auf der linken Seite und stütze sich leidlich mit
den Vorderbeinchen ab.

Da die Besitzerin täglich mehr als 10
Stunden außer Haus war, fehlte leider die Zeit und letztendlich auch
das nötige Kleingeld um den Kleinen vernünftig behandeln zu lassen.

Sorgenvoll suchte sie Hilfe bei den
Heuwuslern. Für uns war sofort klar, dass wir hier helfen, haben
beschlossen Bambam aufzunehmen und vereinbarten einen Termin in der
Tierklinik Ismaning bei einer versierten Chirurgin, die sich mit
Heimtieren bestens auskennt.

Beim ersten Gespräch war schon
klar, dass der linke Hinterlauf amputiert werden muss, damit Bambam
überhaupt eine Chance hat, jemals wieder laufen zu können. Mit
diesem Eingriff hätten wir ja noch gut leben können und hätten
auch alle Kräfte mobilisiert, um ihn mit Physiotherapie wieder zu
stabilisieren. Sogar eine liebe Tierschutzkollegin hat von Bambam’s
Schicksal gehört und zugesichert, Bambam nach erfolgter OP und
„Reha“ ein Zuhause zu schenken. Diese beherzte Dame nimmt
explizit solch gehandicapte Tiere auf,
um ihnen ein noch ein möglichst langes Leben unter fachmännischer,
aber vorrangig liebevoller Betreuung zu ermöglichen. Was für ein
Wink des Schicksals und was für ein Glück für Bambam dachten wir.
Leider traf uns dann aber die Diagnose anhand der in der Tierklinik angefertigten Röntgenbilder wie ein
Schlag ins Gesicht.

Sowohl das linke Hinter- als auch das
linke Vorderbein waren aus der Gelenkspfanne ausgerenkt, beide Beine
versteift und vollkommen verdreht. Das linke Vorderbein zeigte eine
ältere Fraktur; die Wirbelsäule immense Deformierungen (ähnlich Skoliose).

Die
Knochenstruktur ließ auf einen Mineralstoffmangel schließen. Unter
all den Tieren im Verkaufsraum konnte er sich wohl nie durchsetzen
und hat nie wirklich die guten Happen abbekommen. Aber am aller
schlimmsten traf uns die Aussage „Das kann doch nur unter
Gewalteinwirkung passiert sein. Für das Kaninchen gibt es leider
keine Rettung mehr, er muss unglaubliche Schmerzen erlitten haben.
Man kann nicht beide Beine abnehmen. Die Frage ist auch, ob überhaupt
die Amputation nur eines Beines auf Grund der Demineralisierung möglich gewesen wäre ohne dass der Knochen
splittert“.

In Absprache mit der Besitzerin haben
wir uns dazu entschlossen, Bambam einen weiteren Leidensweg zu
ersparen und ließen ihn gestern Nachmittag erlösen.

Wir hatten Bambam nur 4 Tage bei uns,
aber in dieser Zeit hat er unser Herz erobert. Seine Augen waren so
klar, sein Blick so wach, wir haben gehofft dass Bambam nach einer
Amputation endlich ein tolles Leben
haben wird und als glückliches 3-Bein-Kaninchen die Welt erobern
kann. Wir sind zutiefst betroffen und ich kann die Bilder immer noch
nicht verarbeiten, die uns in der Klinik gezeigt wurden.

Wütend macht uns die Tatsache, wie offensichtlich rücksichtslos und grob in manchen sogenannten Fachgeschäften mit der “Ware” Tier aus Profitgier umgegangen wird. Wir möchten uns lieber nicht
vorstellen, wie solch eine doppelte Gelenksluxation entstanden sein
mag. Und wer macht sich eigentlich Gedanken, was mit den süßen
kleinen und niedlichen Tierchen passiert wenn sie zu groß, die Buben
geschlechtsreif geworden sind und nicht verkauft werden konnten? Das
stinkt doch alles zum Himmel!

Bambams Leid und Schicksal ist leider
nur eines unter Vielen in einer Welt, in der Geld und Skrupellosigkeit an erster Stelle
und Respekt und Mitgefühl an letzter Stelle stehen.

Wir möchten betonen, dass die junge
Frau, die Bambam mit nach Hause genommen hat, keine Schuld trifft.
Sie hat mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste für
Bambam getan. Leider konnten wir ihm und ihr nicht mehr helfen.

Lieber Bambam, du bist nur 6 Monate alt geworden und hast doch noch so viel vor gehabt in deinem Leben. Wir wünschen dir, dass
du nun im Hasenhimmel wilde Haken und Bocksprünge machen kannst. Bitte
verzeihe dem Menschen, der dir das Leid zugefügt hat, und dir dadurch die Chance auf ein erfülltes Leben genommen hat. Es sind nicht
alle so. Es gibt Menschen, die dich geliebt haben. Behalte bitte die guten
und schönen Momente in Deiner Erinnerung.

Machs gut Du kleiner tapferer Kerl!